Über uns

Le Pinot Noir, 1994 gegründet, fokussiert auf die Terroirweine Burgunds und des Rhônetals, entsteht aus den privaten Erfahrungen vor Ort in Burgund und an der Rhône, die seit Mitte der 80er Jahre gemacht wurden.

Der Feststellung, daß die Erzeuger einer neuen, den Böden und der Güte wieder näheren Winzergeneration, in Deutschland unbekannt sind, folgt der Gründungsentschluß. Ein Entschluß ganz gegen die seinerzeitige sehr schlechte Reputation Burgunds in Deutschland übrigens. Einem Burgund, das man mit dem heutigen Burgund, das wieder die weltweite Referenz für maximal sinnlich berührenden Wein ist, wo der Hype darum teilweise absurde Preisblüten treibt, nicht vergleichen kann. Aufgabe der traditionellen Bodenbearbeitung, Einsatz der verheerenden Herbizide mit entsprechender Verödung der Böden, fehlende Auslese, Arbeiten im Denken auf Menge hin, fehlendes Equipment, fehlende Ambition - all das prägte seinerzeit die Arbeit vieler (wenn auch nicht aller) Winzer.

Aber in einer historisch so großen Weinregion wie Burgund schlummert immer der Keim der Revitalisierung. Was junge Winzer sogar noch von den eigenen Großvätern lernen konnten, das war seinerzeit die Wiederentdeckung der großen Tugend der Vergangenheit - hinter dem Terroir zurückzustehen, es in seiner Eigenart zu respektieren, seine Größe herauszuarbeiten statt es per Chemie und unreifer Frucht zu zerstören. Also im Einklang mit dem Boden zu einer reifen Frucht zu gelangen statt klingende Etiketten mit mattem, enttäuschendem Inhalt zu produzieren - Anfang der 90er Jahre beginnt bei einigen Domänen, geführt von jungen Winzern wie z.B. einem Denis Mortet in Gevrey-Chambertin, ein Weg der totalen Veränderung.   

Burgund hat seitdem nicht aufgehört, Jahr für Jahr, zumindest in der sich verbreiternden Spitze, diesen Weg weiterzugehen. Wir sind in jedem Jahr seit 1994 mehrmals direkt vor Ort, diskutieren mit den Winzern, (und arbeiten dabei nicht hastig 15 Minuten-Termine ab) wählen die Weine des Angebots prinzipiell nur nach eigenem Geschmack aus. Reputation des Winzers, die kommerzielle Verwertbarkeit seines Namens, ist nicht unsere Leitlinie. Einen Mortet, Cathiard, Mugneret, Perrot-Minot, Fourrier, um nur ein paar Namen zu nennen - wer kannte diese Winzer in Deutschland Mitte der 90er Jahre ? Und wer kennt heute einen Collardot, einen Joliet oder Bouley ?

Weinberge von Nuits St. Georges
Weinberge von Nuits St. Georges

Heute, mit dem Schub des journalistischen Lobes, das irgendwann immer einsetzt für die Winzer des Angebots, stehen sie international für das, was Burgund in der Spitze zu leisten vermag. Wir selbst sind also keine Fans von Burgund, in dem es allen Gerüchten vom "Jahrgang" zum Trotz keineswegs homogene Güte gibt. Auch klingende Lagennamen oder der Hype um Jahrgänge waren für uns nie Grund genug, Interesse zu entwickeln. Das ist erst einmal immer nur Äußerlichkeit der Sache, wenn es die Größe im Glas ist, die man sucht. Daß diese schlicht ineins fällt mit vergebenen Bewertungen, gar mit generiertem Jahrgangsimage, ist ein oft gemachter Trugschluß selbst des passionierten Publikums. Die Gegenbeispiele dafür, daß ein hohes Jahrgangsimage oder ein berühmter Winzername ausreiche für eine Garantie der Güte, sind Legion. Wie umgekehrt große Sinnlichkeit sehr wohl bei geringerem Jahrgangsimage oder Reputationsgrad des Winzers sich einzustellen vermag. Zitieren wir hier nur jenes der 98er Vosne 1er Cru Suchots der Domainen Cathiard und Mugneret, die wir 2015 mit großer Begeisterung tranken - hier war weder "der" Jahrgang seinerzeit hochgelobt, noch waren (von Insidern abgesehen) diese beide Domänen seinerzeit sonderlich bekannt. Und doch - diese Weine waren allerspätestens 2015 der Beleg, daß Domänen- oder Jahrgangsimage, nach dem sich weiter viele orientieren, nicht der entscheidende Punkt sind!

Dieses Angebot ist also entscheidend eine Sache des Vertrauens, das man einem Weinhandel entgegenbringt, der altmodisch vor Ort seine Arbeit macht.

Aktuell gibt es keine bessere praktische Dokumentation dessen, welchen Weg Burgund seit Anfang der 90er Jahre genommen hat, als die Exzellenz der besten Weine aus den letzten schwierigen Saisons (2010 - 2014). Es könnte zum Nachdenken anregen, wenn man in Bordeaux heute noch immer schwächere Resultate umstandslos der schwierigen Saison anlastet (jedenfalls lauten so die Erklärungen der journalistischen Begleitungen), Burgund es aber - jedenfalls in der Spitze - vermag (mit allerdings teils bis zur Erschöpfung gehendem Aufwand) - so wundervoll typisch-klar-intensive Weine wie etwa in 2013 zu erzeugen. Burgund kennt weiter viele mittelmäßige Weine, Weine, die zumindest nicht à la hauteur du terroir sind, aber es kennt keinen schlechten Jahrgang per se mehr.

Kurzum, Burgund ist aktuell - mit dem Wermutstropfen der gestiegenen Preise (stetig steigende Reputation trifft auf mit Ausnahme von 2014 stets mengenmäßig mehr oder minder stark dezimierte Jahrgänge!) - die aufregendste Weinregion.

Sofern die Rhône einen ähnlichen Weg geht wie bei einem Yann Chave, Thierry Allemand, Jèrôme Bressy, Emmanuel Reynaud oder Stan Wallut (und natürlich ein paar anderen Winzern), so sind auch diese Weine jeden Umweg wert. Wer die großen Weine der Rhône jedenfalls per se für "zu alkoholisch und schwer" hält, wie es ein beachtlich verbreitetes Vorurteil will, der irrt. Gereifte Rhôneweine können vielmehr zu ungeahnter Finesse und Harmonie finden, das sind große Weine, bei denen es völlig falsch ist, sie mit Fruchtkonzentration gleichzusetzen und sie deshalb jung wegzutrinken (was nicht zuletzt auch für die Weißweine gilt!). Auch in dieser Hinsicht bildet dies eine Parallele zu Burgund!

Mit den besten Grüssen
H. Kratz, Le Pinot Noir