Yann Chave, Mercurol

- Domänendirektimport seit Jg. 1998 -

„Meine Weine sollen den ganzen Reichtum ihrer Terroirs transportieren, ohne dabei ihre Ausgewogenheit zu verlieren. Was die Domäne angeht, möchte ich lieber klein bleiben und die Sache gut machen."

Yann Chave

Bernard und Yann Chave - dans les vignes
Bernard und Yann Chave - dans les vignes (Foto: Gerd Kressl)

Historie

1970 erwerben Nicole und Bernard Chave ein 4ha-Eigentum in Mercurol, unweit von  Tain l'Hermitage - 1ha Rebfläche in der Appellation Crozes-Hermitage und 3ha Obstbaumbestand (Kirschen, Aprikosen, Birn- und Apfelbäume). In den 70er und 80er Jahren wird von den Eltern Yann Chaves weiteres Land erworben, es bleibt bei der Mixtur zwischen Rebflächen und Obstbäumen. Nachdem Chave sr. eine Zeitlang als Mitglied der Kooperative von Tain die Frucht an diese abgeliefert hat, entsteht 1979 die Domaine Bernard Chave. Ein guter Teil der Produktion wird noch an den Négoce verkauft, der Rest an zahlreicher werdende Privatkunden. 1994 umfaßt die Domäne 1ha im Hermitage, 6,5 ha in Crozes-Hermitage und 8.5 ha Obstbaumbestand.

1996 wird Yann Chave, Bernard u. Nicoles Sohn, verantwortlich für die Domäne. 2001 wird aus der Domaine Bernard Chave & Fils die Domaine Yann Chave. Die billigere nordafrikanische Konkurrenz, die unreifes Obst an die Supermärkte liefert, zwingt zur Aufgabe der Obstproduktion. Yann will qualitativ führend werden in den Appellationen Crozes-Hermitage und Hermitage und erweitert die Domäne, die 2007 20ha ausschließlich an Rebflächen ausweist. Heute wird ca. 80% der Erzeugung weltweit exportiert, die Domaine wird heute nicht mehr mit der gleichnamigen noch bekannteren Domaine Jean-Louis Chave verwechselt. Die französische 3-Sterne-Gastronomie (Bocuse, Troisgros, Ducasse etc.) führt die Weine auf ihren Listen.

Yann Chave - seinen Crozes und Hermitages kann man nur schwer nicht verfallen
Yann Chave - seinen Crozes und Hermitages kann man nur schwer nicht verfallen

Vitikultur

Yann Chaves Auffassungen repräsentieren für uns das Beste, was man an der nördlichen Rhône von der jüngeren Winzergeneration erwarten kann. Chave, bereits seit längerem biologisch zertifiziert, achtet wie kaum ein anderer Winzer auf die optimale phenolische Reife. Er ist oft einer der letzten Winzer in den Appellationen Crozes-Hermitage und Hermitage, der die Frucht einbringt. Niemals jedoch geht Chave den Weg der Überreife, einer nicht nur aromatischen Sackgasse.

Die Frucht zu einer optimalen Reife zu führen - optimal reife Frucht läßt weder Alkohol noch Säure noch Tannin hervortreten - ist Beweggrund für alle Maßnahmen, die über die Saison im Weinberg erfolgen. Strenger Rebschnitt, Bremsen des Wachstums der Rebe durch Beibehaltung natürlicher Begrünung zwischen den Rebzeilen, Behangausdünnung - so denn nötig-, gehören entscheidend dazu. Chave fördert die Photosynthese durch ein relativ hohes Binden der Rebe, zweimal müssen hierfür die 20ha Weinberg bearbeitet werden - die nachwachsenden Blattstränge können erst beim zweiten Mal angebunden werden.

Das Pflanzgut chez Chave resultiert aus sélection massale, jenem klassischen Verfahren, das beste und gesündeste eigene Pflanzgut weiterzuverbreiten. Traditionell (und qualitativ) bleibt Chave auch in der Art und Weise der Ernte - diese wird manuell eingefahren.

Rebflächen des Hermitagehügels - vermutlich der älteste Weinberg Frankreichs
Rebflächen des Hermitagehügels - vermutlich der älteste Weinberg Frankreichs

Vinifikation und Ausbau

Nur die natürlichen Hefen des Weinbergs (wie des Kellers!) werden bei der Vinifizierung eingesetzt, was übrigens u.a. einen untadeligen Gesundheitszustand der Frucht bei der Ernte vorraussetzt. Auf die Idee, selektierte Hefen einzusetzen, sind Winzer im Kern nur deshalb gekommen, weil Gesundheit des Weinbergs wie der Frucht (Einsatz von Herbiziden und Pestiziden) eine verläßliche Leistung der Hefen bei der alkoholischen Fermentation nicht mehr zuließen. Industrielle Weinproduktion schafft sich ihre Probleme selbst, weil sie nicht mit der Natur arbeitet. An dieser Stelle übrigens interessant festzuhalten, daß selektierte Hefen im Jahr 2003 (Jahrhundertsommer - Jahr hoher natürlicher Zuckerwerte) Probleme hatten bei der alkoholischen Fermentation!

Yann entrappt das Traubengut zu 100%, die Cuvaison dauert bei den Crozes-Weinen ca. drei und beim Hermitage drei bis vier Wochen. Chave vinifizert im Unterschied zur industriellen Weinerzeugung ohne jeden Zusatz, dabei läßt er die Temperatur langsam von 20° C auf 30° C ansteigen: "Ich entrappe zu 100%, ich behalte dabei die Integrität der Trauben bei. Ich versuche, die sanftmöglichste Pressung durchzuführen, um zu runden Tanninen zu kommen und so der Textur mehr Köstlichkeit zu geben."

Für den Crozes Rouvre sowie den Hermitage rouge wird ausschließlich der feinere vin de goutte verwendet, kein gröberer Preßwein. Der Ausbau der beiden großen vins rouges erfolgt in den traditionellen demi-muids der Rhône (600 l), die beim Rouvre teils neu, teils ein oder 2 Jahre alt sind, beim Hermitage neu, über einen Zeitraum von einem Jahr, Schlußassemblage über ca. sechs Monate im Stahltank.

Der Crozes rouge Traditionelle wird ausschließlich im Stahltank ausgebaut, um ihm seine fruchtbetonte Seite zu erhalten. Gesundheit und Qualität der Hefen und Trauben, deren schlußendlicher höchster Güte Yann sich per Schlußselektion am Auslesetisch versichert, haben es seit 2004 erlaubt, die Weine ohne Abstich (soutirage) von den Hefen auszubauen. Abgestochen wird dann einmal vor der Flaschenabfüllung, wobei nicht gefiltert wird.

Aktualität

Wir haben Yann Chave mit dem Jahrgang 1998 in Deutschland eingeführt, unbekannt war Yann, aber seine 98er wie seine Philosophie hatten uns überzeugt. Heute, zumal mit den Möglichkeiten der seit 2003 installierten Cuverie sowie der gewachsenen Balance der Böden sind die Weine hier aufregender als je zuvor. Sie sind digestibel, ohne die natürliche aromatische Vielfalt, die je spezifische Identität der Lagen und die Besonderheiten des Jahrgangs aufzugeben, wie man es so oft bei den vins natures genannten Weinen, der neuesten Mode der Weinszene, vorfindet.

Ich empfehle Yanns Weinen allen, die das Naturell der Lagen von Crozes-Hermitage und Hermitage kennenlernen wollen. Denn man erfährt hier, wie sich Substanz und Frische, Tiefe des Geschmacks und Trinkanimation, Eleganz und Kraft in einem feinen Syrah der nördlichen Rhône vereinen. 1-2 Jahre Lagerung für den Crozes rouge Traditionelle voller gourmandise, 5-6 Jahre Lagerung für den wunderbar kompletten Crozes Rouvre und 10 Jahre für den Hermitage rouge empfehle ich, um die Weine vollständig zu sehen.

Juni 2017

"Yann Chave ist zu einem der besten Weinauftritte in Sachen Crozes-Hermitage geworden und seine Cuvées, die Charme und Komplexität haben, verdienen jedes offensiv vorgebrachte Lob ihrer Unterstützer."

Vigneron, Denis Hervier, No 26, Sommer 2016

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